Befürchtungen & Zwänge (ängstliches Erleben)

Angst: Emotion mit psychologischen (z. B. Unruhe sowie bei schwerer Angstreaktion auch Bewusstseins-, Denk- oder Wahrnehmungsstörungen) und physiologischen Symptomen (z. B. Anstieg von Puls- und Atemfrequenz, Blutdruck). Angst ist in der Psychologie die meistuntersuchte Emotion!

Panik (Sonderform der Angst): plötzliche, heftigste Angst (ohne Anlass)

Phobie (Sonderform der Angst): Inhaltliche Fokussierung der Angst auf ein bestimmtes Objekt oder eine Situation. Beispiel:  Agoraphobie (Angst, sich in Menschenmengen zu blamieren oder zu sterben)

Befürchtungen: Bewusste oder unbewusste Erwartungen einer unangenehmen Sache. Beispiele: Befürchtung, vom Partner verlassen zu werden oder den Arbeitsplatz zu verlieren

Zwang: Zwangsphänomene (Zwangsgedanken, Zwangsimpulse, Zwangshandlungen) die wiederholt, stereotyp oder impulsartig auch gegen den eigenen Willen des Patienten (Ich-fremd) ausgeführt werden müssen. Sie werden (im Gegensatz zu Wahnvorstellungen) als von sich selbst kommend und nicht von außen gemacht empfunden. Beispiele: Kontrollzwang, Waschzwang


  • Misstrauen:
    • Patient bezieht die Äußerungen und das Verhalten anderer Personen ängstlich, unsicher oder feindselig auf sich selbst. Beispiel: paranoide Persönlichkeitsstörung
  • Hypochondrie:
    • Patient weist eine ängstliche Beziehung zum eigenen Körper auf und nimmt Missempfindungen wahr, verbunden mit der Befürchtung, körperlich krank zu sein («eingebildeter Kranker»). Beispiel: leichte Kopfschmerzen bedeuten einen Hirntumor!
  • Phobien:
    • Patient zeigt Angst vor bestimmten Objekten + Situationen, meist in Verbindung mit einer Vermeidungsreaktion. Beispiele: Bathophobie (Angst vor Blick in die Tiefe)
  • Zwangsdenken:
    • Patient leidet unter sich aufdrängenden Gedanken oder Vorstellungen (gegen einen inneren Widerstand). Diese werden von ihm als unsinnig erlebt, sie lassen sich aber leider nur schwer unterbinden. Beispiele: obszön, sexuell, aggressiv, blasphemisch
  • Zwangsimpulse:
    • Patient erlebt sich aufdrängende Impulse, bestimmte Handlungen auszuführen (gegen einen inneren Widerstand). Diese werden von ihm als unsinnig und übertrieben Beispiel: Impuls, das eigene (geliebte) Kind zu verletzen oder zu töten
  • Zwangshandlungen:
    • Patient muss sich aufdrängende Handlungen ausführen (gegen einen inneren Widerstand). Diese lassen sich von ihm nur schwer unterbinden, obwohl er sie als unsinnig Beispiele: Putzzwang, Symmetriezwang, Ordnungszwang, Zählzwang

Exkurs: DD «Ängste»

  • Phobie: → Angst vor spezifischen Objekten oder Situationen (meist mit Vermeidungsreaktion)
  • Panikstörung: → plötzliche, anlasslose, attackenartige, heftigste Angst (Dauer: von wenigen bis zu ca. 30 Minuten)
  • Generalisierte Angststörung (GAS): → Auftreten einer unbegründeten, diffusen Angst («frei flottierend»). Patient kann nicht sagen, wovor er eigentlich Angst hat (sie ist «einfach da»!).